Rede von Charlotte für das Bündnis Neukölln: “Keinen Fußbreit zurückweichen vor Hetze, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit!”

Charlotte Rede Titelbild

Charlotte Mende, stellv. Vorsitzende der Jusos Neukölln


Das Bündnis Neukölln hat am 21.03.2017 dem Internationalen Tag gegen Rassismus eine Kundgebung in Rudow organisiert, an der sich über 100 Neuköllner*innen beteiligt haben.
Charlotte Mende, stellv. Vorsitzende der Jusos Neukölln, hat für das Bündnis Neukölln einen Redebeitrag gehalten. Die Rede von Charlotte im Wortlaut:

Liebe Aktive, liebe Freundinnen und Freunde,
ich danke allen, von ganzem Herzen, die heute hier sind! Viele von uns kämpfen natürlich nicht nur heute, sondern Tag für Tag gegen Ausgrenzung und Rassismus und dennoch ist es wichtig, dass wir heute hier zusammen sind und ein Zeichen setzen!

Ein Zeichen gegen Ausgrenzung, Rassismus und Gewalt und ein Zeichen für eine plurale, integrative, solidarische und demokratische Gesellschaft!

Wir haben es in Neukölln im letzten Jahr und in den letzten Monaten wieder erleben müssen, wie Rassist*innen Anschläge verübten, versuchten einzuschüchtern und Angst zu verbreiten. Dies geschieht gegenüber Geflüchteten, Menschen mit anderer Hautfarbe oder sexueller Orientierung, aber auch gegen politisch Aktive, die sich gegen rechte Kräfte, antidemokratische und rassistische Tendenzen in unserer Gesellschaft stellen und diese bekämpfen. Ihnen gilt unsere Solidarität!

Liebe Demokratinnen und Demokraten,
heute ist der Internationale Tag gegen Rassismus und in einer zunehmend globalisierten Gesellschaft ist Politik vom anderen Ende der Welt, näher und enger mit uns verwoben als je zuvor.

Wir sind nicht isoliert in unserem Kampf für eine offene Gesellschaft, aber die Kräfte, die Unsicherheit und Zwietracht mit sich bringen, sind es auch nicht:
In Zeiten von Donald Trump, in Zeiten von Erdogan und in Zeiten in denen Europa durch den Brexit in Zweifel gezogen wird, spalten sich Gesellschaften, wo sie geeint sein sollten. Wir haben gesehen und können Berichte darüber lesen, wie schnell auf Hetze, Gewalt und Angriffe auf Minderheiten folgen.

Hetze wird in Wörtern geäußert und darum möchte ich anfangen von der Sprache und wie sie von Rassistinnen und Rassisten genutzt wird zu sprechen.
Sprache ist die Grundlage zum Denken. Wir denken in Wörtern und Sätzen.
Ein Wort, ein Begriff, das ständige Wiederholen bestimmter Sätze, es hinterlässt Spuren in jedem von uns.

Trump nutzt Sprache, um insbesondere weiße Amerikaner in der Opferrolle, beherrscht und unterdrückt von „bösen Fremden“ zu zeichnen. Er ist offen rassistisch und sexistisch und hat damit dazu beigetragen, dass schon jetzt wieder mehr Menschen Opfer von Gewalt werden! Erdogan instrumentalisiert die Sprache, um Feindbilder zu schaffen und die demokratische Türkei in eine Diktatur zu stürzen. Auch im Brexit war es sichtbar, aber auch in vielen anderen Europäischen Ländern wie in Frankreich, den Niederlanden oder bei uns wie Rechtspopulististen sich der Krisenrhethorik bedienen, Feindbilder schaffen und damit unsere Demokratie und freie offene Gesellschaft direkt angreifen.

In der Sprache von Rassistinnen und Rassisten folgt auf die Darstellung von angeblichen Missständen und heraufbeschworenen Schreckensszenarien augenblicklich die Anklage vermeintlich Schuldiger. Diese vermeintlich Schuldigen sind Minderheiten, Schutzbedürftige, Schutzbefohlene und wir alle, die sich für eine offene, eine plurale und demokratische Gesellschaft einsetzen.

Genau diese Beschuldigungen, die vermeintlich einfachen Antworten, die Abwertung der Anderen macht etwas mit unserer Sprache. Populistinnen und Populisten zielen mit ihrer Rhetorik darauf ab, Tabus zu brechen und diskriminierenden Begriffe und gewalttätige sprachliche Bilder salonfähig zu machen. Salonfähig bedeutet letztlich nichts anderes, als dass diese Sprache als Normalität und nicht als etwas Grenzüberschreitendes, etwas Diskriminierendes und Rassistisches in der Gesellschaft erkannt wird.
Doch genau das ist es! Und wir stellen uns dagegen und enttarnen immer wieder die Hetzte und den Rassismus, der sich hinter der Sprache und den Provokationen verbirgt!

Liebe Neuköllnerinnen und Neuköllner,
wir bleiben kritisch und wir bleiben unbequem. Es geht nicht, wie so oft vorgeworfen darum „politische Korrektheit“ um ihrer selbst Willen zu verteidigen! Sprache ist nicht einfach „nur“ Sprache, sie ist und kann unfassbar schnell brandgefährlich werden. Sie kann spalten und Gewalt hervorrufen. Sie kann ausgrenzen und verletzen.

Darum lasst uns den schwierigeren Weg weitergehen. Lasst uns im Alltag, auf der Straße, in den Parlamenten und in den Medien widersprechen und gegenhalten, Hetze enttarnen und als solche benennen.
Und lasst uns in der Gesellschaft einander mehr zuhören, miteinander ins Gespräch kommen, demokratisch streiten und lasst uns dies in einer Sprache tun, die frei ist von Rassismus, Sexismus, Homo- und Trans*phobie sowie jeglichen Diskriminierungen von Minderheiten!

Wir sind so stark wie wir einig und so schwach wie wir gespalten sind, also kämpfen wir weiter, in den Parlamenten und auf der Straße auf unserem gemeinsamen Weg, der da heißt: Keinen Fußbreit zurückweichen vor Hetze, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit!

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