Feminismus-Blog: Nr. 5 – Feminist Frequency – Was ist das?

Wir Jusos sind ein feministischer Richtungsverband. Die Gleichstellung der Geschlechter ist eine unserer wichtigsten Forderungen. Für uns ist eine Welt, die mehrheitlich von Männern bestimmt und organisiert wird, nicht gerecht. Trotz der großen Erfolge der Frauenbewegung, die sich in Rechtsvorschriften, aber auch in einer gesellschaftlichen Öffnung niedergeschlagen haben, ist es noch ein langer Weg, bis Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt sind. Um in Gedanken anzustoßen und zu erklären, was Feminismus für uns bedeutet, werden wir Jusos Neukölln in regelmäßigen Abständen im Rahmen unseres neuen “Feminismus-Blog” Artikel zu den Themen Feminismus, Frauen- und Gleichstellungspolitik veröffentlichen.

Was ist Feminist Frequency?
Feminist Frequency
ist eine Video-Onlineserie zur Untersuchung der Rollenbilder von Frauen in der Popkultur. Geschaffen wurde sie von Anita Sarkeesian im Jahr 2009. Das Ziel ist es damit, eine kritische Medienbetrachtung zu fördern, vor allem außerhalb von wissenschaftlichen Zusammenhängen und Hörsälen, also innerhalb der Gesellschaft und des Alltags. Alle Videos sind frei bei Youtube verfügbar, es wird also keinerlei kommerzieller Zweck verfolgt, sondern die Verbreitung der „educational videos“ soll so ohne Hürden für alle ermöglicht werden.

Videoreihe: „Tropes vs Women”
Seit 2011 gibt es die Serie „Tropes vs Woman“, wiederum als frei verfügbare Clips bei Youtube. „Tropes“ ist ein Kunstwort und steht als Oberbegriff für Stereotype:
A trope is a common pattern in a story or a recognizable attribute in a character that conveys information to the audience. A trope becomes a cliche when it‘s overused!

Behandelt werden in sechs Folgen die sich immer wiederholenden Themen und Darstellungen von Frauen in Filmen und TV-Serien:
1. „The Manic Pixie Dream Girl“ – ein weiblicher Charakter, der dem erfolgreichen, aber ausgelaugten männlichen Helden hilft, sich zu entspannen
2. „Women In Refrigerators“ – das willkürliche Töten von weiblichen Charakteren, um die Story „mitreißend“ zu gestalten und die Zuschauer*innen zu binden
3. „The Smurfette Principle“ – die Tendenz, in fiktionalen Stories nur einen weiblichen Charakter als „Schlumpfine“ in eine Gruppe männlicher Charaktere zu schreiben
4. „The Evil Demon Seductress“ – eine böse, dämonische Verführerin und übernatürliche Kreatur als attraktive menschliche Frau tarnen, die sich sich an ihr Opfer heranschleicht
5. „The Mystical Pregnancy“ – die Tendenz, Frauen als Brutapparate von Dämonen schwanger werden zu lassen und dies immer mit Schmerz und Gewalt zu verbinden, vor allem in Science-Fiktion
6. „The Straw Feminist“ – gezielt übertriebene, vereinfachte feministische Karikatur zu Falschdarstellungen nutzen

 

„Tropes vs Women in Video Games“
Unter dem Titel „Tropes vs Women in Video Games“ widmet sich Anita Sarkeesian in ihrem Video-Blog den Rollenbildern und Stereotypen von Frauen in Videospielen. Seit 2012 über Crowdfunding (kickstarter.com) finanziert, fand das Projekt vielfach Unterstützung und sammelte einen sechsstelligen Betrag in kurzer Zeit.

Die Themen und Tropes, die sie in Videospielen entschlüsselt, sind in bislang sechs Videos erschienen:
1. „ Damsel in Distress“ – die unmündige, vom männlichen Helden zu rettende „Prinzessin“, die nicht selbstbestimmt handeln kann; möglich auch die Verbindung zu anderen Tropes, (z.B. Kühlschrank) oder die Erweiterung für moderne Spiele zu der „Frau in der Opferrolle“ und der „Einweg-Frau“ außerdem die Tendenz zu „ironic sexism“
2. „Ms. Male Charakter“ – Etablierung neuer weiblicher Charaktere nur auf Grundlage schon erfolgreich platzierter männlicher Charaktere
3. „Background Decoration“ – Frauen als nicht spielbares Füllmaterial in der Umgebung  das Geschlecht, die Verwundbarkeit u.ä. wird als Anreiz für den aktiven Spieler genutzt, irgendetwas zu tun oder lediglich die Situation zu untermauern

 

Achtung Shit-Storm!
Mit ihrer Kampagne zur Entschlüsselung von Stereotypen in Videospielen und der Sensilibisierung von Spieler*innen löste Anita Sarkeesian eine heftige Debatte in der Spielewelt aus. Neben durchaus positiven Reaktionen erntete sie allerdings auch Anfeindungen und Beleidigungen, bis hin zu Morddrohnungen. Einige „Begründungen“: Raushalten aus Männersachen, Lügen, Geld-Macherei.

Inwieweit die Spieleindustrie, eine stark auf Männer orientierte Branche, ein Interesse an einer konstruktiven Diskussion oder eher an feindlichen Shit-Storms hat, steht im Raum

 

Der “Bechdal-Test”
Aus Allison Bechdels Comic „Dykes to watch out for“ entstanden (1985). Der Bechdal-Test misst die Präsenz von Frauen in Filmen.

Es werden dabei drei Fragen gestellt:

  1. Spielen mindestens zwei Frauen mit, die keine Statistinnen sind?
  2. Unterhalten sie sich?
  3. Unterhalten sie sich über ein anderes Thema als Männer?

Erstaunlich viele Filme erfüllen diese drei Kriterien nicht!   

 

Die Homepage ist von Feminist Frequency ist zu finden unter: http://www.feministfrequency.com
Link zum Youtube-Kanal von Feminist Frequency: https://www.youtube.com/user/feministfrequency/about

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