Beschluss zu Alphabetisierung in Berlin

Die Landesdelegiertenkonferenz der Jusos Berlin möge beschließen
Der Landesparteitag der SPD Berlin möge beschließen
Die SPD-Abgeordnetenhausfraktion möge beschließen

Alphabetisierung in Berlin

Der Senat und die Bezirksämter müssen Plattformen zur Verfügung stellen, um mit Partner_innen aus Verwaltung (bspw. Jobcenter), Trägern und Vereinen Lösungen für die Problematik des funktionalen Analphabetismus zu finden und Angebote für gesellschaftliche Teilhabe zu schaffen. Eine solche Plattform bedarf einer festen Koordination, die diese Aufgabe hauptamtlich übernehmen kann. Eine gesicherte Finanzierung einer solchen Stelle kann einen entscheidenden Startpunkt markieren. In diesem Rahmen müssen lokale Aktionspläne zu diesem Thema mit entsprechender finanzieller Ausstattung entworfen werden. In Förderplänen des Senats und der Bezirke muss die Zielgruppe der funktionalen Analphabeten_innen selbstverständlich auftauchen. Um dies sicherzustellen, müssen Senat und Bezirksämter Beauftragte für Alphabetisierung einrichten. Darüber hinaus fordern wir die Gremien der SPD und der Jusos auf Landesebene dazu auf, dieses Thema in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken und bundespolitisch zu thematisieren.

Im Dezember 2011 wurden die Ergebnisse einer repräsentativen Studie zur Situation des Analphabetismus in Deutschland vorgestellt (Level One). Danach leben in Deutschland circa 7,5 Mio. funktionale Analphabet_innen. Dies bedeutet, dass 14% der Bevölkerung nicht in der Lage sind kurze zusammenhängende Texte zu lesen und zu verstehen. Entsprechend sind die Betroffenen nicht fähig schriftliche Instruktionen, wie Aufträge und Rechnungen zu bearbeiten und können deshalb wenn überhaupt nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Im Gegenteil, oft werden sie ungewollt ausgegrenzt und ausgeschlossen. Hochgerechnet 25% der in Deutschland lebenden Menschen können keine Sätze auf Grundschulniveau korrekt aufschreiben und fehlerfrei vorlesen. Die allgemeine Reaktion der Betroffenen mündet in Vermeidungstaktiken. Aufgrund dessen bleiben die Betroffenen gesellschaftlich unsichtbar.
Wir als Jungsozialist_innen wollen den Status Quo nicht hinnehmen und unternehmen mit diesem Antrag einen ersten Versuch, diesen gesellschaftlichen Missstand öffentlich zu machen und politisch zu verarbeiten. Dabei ist klar, dass es sich hier nicht um Maßnahmen sogenannter Integration oder Sprachkurse handeln kann. Die Betroffenen sind in der Regel Muttersprachler_innen und brauchen mehr als nur Sprachunterricht. Es geht um nichts weniger als gesellschaftliche Teilhabe durch Grundbildung. Deshalb müssen Bildungsangebote beispielsweise den Umgang mit Behörden, bzw. das korrekte Ausfüllen von Formularen sowie das Orientieren auf Stadtplänen und das Erlernen von grundlegenden Kenntnissen in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft umfassen. Es ist selbstverständlich, dass diese Forderungen nur ein erster Schritt sein können. Das Thema Grundbildung kann nur im Verbund mit vielen Partner_innen geschehen.

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